Teil 3 – Der Name hinter der Leere

Teil 3 – Der Name hinter der Leere

Die Stille nach diesen Worten war dichter als alles zuvor. Hannah saß regungslos, als hätte ihr Körper vergessen, wie man sich bewegt. Gelöscht. Das Wort hallte in ihrem Kopf nach, unlogisch, unmöglich, aber gleichzeitig erschreckend präzise, als hätte es schon immer auf sie gewartet. „Das ergibt keinen Sinn“, brachte sie schließlich hervor, aber ihre Stimme klang fremd, dünn, kaum wie ihre eigene. Adrian stand jetzt vollständig auf der anderen Seite des Tisches, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die Haltung ruhig, aber angespannt wie ein Draht kurz vor dem Reißen. „Es ergibt sehr wohl Sinn“, sagte er leise. „Wenn man weiß, wer Zugang zu diesen Systemen hat.“ Elaine trat einen Schritt vor, zögernd. „Sir, wenn das Vale Security Archiv kompromittiert wurde—“ „Es wurde nicht kompromittiert“, unterbrach Adrian sie scharf. Dann sah er wieder Hannah an, und seine Stimme wurde wieder kontrolliert, aber kälter. „Es wurde benutzt.“ Hannah spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte. „Ich habe niemanden, der so etwas tun würde“, sagte sie verzweifelt. Doch während sie es sagte, flackerte etwas in ihrem Gedächtnis auf. Miles. Nicht konkret, nicht greifbar – eher die Erinnerung an Stimmen, an Drohungen, an das Gefühl, nie wirklich sicher zu sein, selbst wenn Türen verschlossen waren. Adrian bemerkte ihr Zögern. „Doch“, sagte er ruhig. „Sie haben jemanden. Und ich glaube, Sie kennen ihn besser, als Ihnen bewusst ist.“ In diesem Moment vibrierte das Licht im Raum kurz, als ein weiterer Sturm über die Stadt zog. Adrian griff in seine Innentasche und zog ein dünnes schwarzes Tablet hervor. Er tippte einmal, und eine Datei öffnete sich. Ein Foto erschien auf dem Bildschirm. Hannah erstarrte. Es war kein aktuelles Bild. Es war älter. Unscharf. Aber sie erkannte ihn trotzdem sofort. Miles. Neben ihm ein Mann, den sie nicht kannte. Und darunter ein Name, der ihr den Atem nahm: Vale Internal Black Operations Division. Elaine trat sichtbar zurück. „Das darf es nicht geben“, flüsterte sie. Adrian antwortete nicht. Er sah nur Hannah an, als würde er zum ersten Mal wirklich entscheiden, was sie war: Opfer, Werkzeug oder Schlüssel. „Sie sind nicht zufällig hier“, sagte er schließlich. „Sie sind der einzige lebende Beweis dafür, dass jemand in meinem System Menschen löscht, um sie neu zu platzieren.“ Hannahs Hände begannen zu zittern. „Ich verstehe das nicht…“ Adrian trat näher, bis die Distanz zwischen ihnen nur noch der Tisch war. „Dann werden Sie es verstehen müssen“, sagte er leise. „Denn die Person, die Ihren Namen entfernt hat, wird ihn bald wieder brauchen.“ Ein weiterer Blitz erhellte die Skyline. Und diesmal wusste Hannah, dass sie nicht mehr Teil eines Interviews war. Sondern Teil eines Krieges, von dem sie nie gewusst hatte, dass er existiert.

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