Teil 3: Die Königin der Lügen

Teil 3: Die Königin der Lügen

Der Raum schien um mich herum zu verschwimmen.

Eine Ehefrau. Luca Demir, der gefürchtetste Mann Mailands, der Herrscher über einen Untergrund, der in Blut und Gold getränkt war, wollte mich heiraten. Nicht aus Liebe. Nicht aus Leidenschaft, auch wenn mein Körper noch immer von der Hitze seines Kusses brannte.

Sondern aus Kalkül.

„Sie sind verrückt“, hauchte ich und drückte mich flach gegen das Holz des Regals. „Ich bin eine Kellnerin. Ich weiß nichts über Ihre Welt. Ich kenne Ihre Geschäfte nicht. Ihre Feinde werden mich in Stücke reißen.“

„Meine Feinde“, erwiderte Luca, und der Klang dieser Worte aus seinem Mund glich einem Todesurteil für jeden, der sich ihm in den Weg stellte, „werden nicht einmal wagen, Sie anzusehen. Der Mann draußen, dem ich die Hand gebrochen habe? Das war nur eine Lektion für das Publikum. Die wahre Botschaft war an die fünf Familien gerichtet. Wenn ich eine Frau aus dem Nichts zu meiner Königin mache, beweise ich ihnen, dass ich unangreifbar bin. Dass ich die Regeln mache.“

Er trat einen halben Schritt zurück, aber die Intensität seines Blickes hielt mich gefangen. Er steckte den Schuldschein zurück in seine Jacke.

„Sie haben zwei Möglichkeiten“, erklärte er sachlich, als würden wir über das Wetter sprechen. „Möglichkeit eins: Sie verlassen diesen Raum durch die Hintertür. Ich zerschneide dieses Papier nicht. Die Korsen werden in genau achtundvierzig Stunden an Ihre Tür klopfen. Sie wissen, was sie mit jungen, hübschen Frauen machen, die achtzigtausend Euro schulden. Das Überleben dort ist… unwahrscheinlich.“

See also  PART 2 — THE WATCH, THE NAME, AND THE LIE

Er machte eine Pause, damit die rohe Wahrheit dieser Worte tief in mein Bewusstsein sickern konnte.

„Und Möglichkeit zwei?“, fragte ich, obwohl meine Lippen zitterten.

„Möglichkeit zwei“, sagte Luca weich, trat wieder dicht an mich heran und legte seine große, warme Hand an meine Wange. „Sie nehmen meine Hand. Wir gehen gemeinsam zurück in diesen Ballsaal. Sie ziehen diese billige Schürze aus, tragen fortan Seide und Diamanten, und Sie spielen Ihre Rolle. Sie lächeln für meine Feinde. Sie schlafen in meinem Bett. Sie sind absolut loyal. Im Gegenzug gehört Ihnen mein Schutz. Niemand auf dieser Welt wird Ihnen jemals wieder ein Haar krümmen. Und Ihre Schulden sind an dem Tag gelöscht, an dem wir den Ring an Ihren Finger stecken.“

Es war ein Pakt mit dem Teufel. Ich wusste, dass dieser Mann gnadenlos war. Ich wusste, dass seine Hände Blut trugen. Ich wusste, dass dieser goldene Käfig, den er mir anbot, sich jederzeit in ein Grab verwandeln konnte, wenn ich die falschen Worte sagte oder die falsche Miene aufsetzte.

Aber als ich in seine grauen Augen sah, erkannte ich etwas anderes. Unter der Gewalt, unter der Kälte, war ein Versprechen von Sicherheit. Eine verdrehte, dunkle Sicherheit, die ich in meinem ganzen Leben noch nie gespürt hatte. Ich war immer das Opfer gewesen. Die Tochter eines Spielers. Die verzweifelte Kellnerin. Die Beute für Kredithaie.

Wenn ich Lucas Hand nahm, war ich nicht länger die Beute. Ich war die Partnerin des Raubtiers.

Ich hob langsam meine Hände. Meine Finger zitterten nicht mehr, als ich an den Knoten meiner schwarzen Kellnerschürze griff und ihn löste. Der Stoff glitt lautlos zu Boden und bildete einen dunklen Fleck auf dem persischen Teppich.

See also  Teil 3 – Die Krone aus Salz und Stahl

Ich sah zu Luca auf. Sein Blick verdunkelte sich, als er verstand, was diese Geste bedeutete.

„Werde ich es überleben?“, fragte ich leise.

„Wenn du tust, was ich sage“, antwortete er und wechselte fließend, fast unmerklich in ein vertrautes Du, „werde ich diese Welt niederbrennen, bevor ich zulasse, dass dir etwas geschieht.“

Er reichte mir seinen Arm.

Ich hakte mich ein. Das schwarze Kleid, das ich trug, fühlte sich nicht länger wie eine Uniform an, sondern wie eine Rüstung. Luca öffnete die schwere Tür. Die gedämpfte Musik des Ballsaals drang wieder an unsere Ohren.

Als wir gemeinsam zurück ins Licht der Kronleuchter traten, blieben die Blicke der mächtigsten Kriminellen Italiens an uns haften. Aber dieses Mal senkte ich meinen Kopf nicht. Ich hielt den Blick weich, das Kinn erhoben und lächelte, ohne es ernst zu meinen.

Die Dynastie, die wir in dieser Nacht begründeten, war aus Lügen erbaut. Aber als Luca Demir meine Hand fester drückte, wusste ich, dass es die wunderschönsten und gefährlichsten Lügen waren, die diese Welt je gesehen hatte.

Related Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2026 cuanhua-loithep | All rights reserved