PART 2: DAS FEUER, DAS MAN NICHT VERBERGEN KANN

PART 2: DAS FEUER, DAS MAN NICHT VERBERGEN KANN

Der Regen fiel dichter, als würde der Himmel selbst versuchen, etwas zu löschen, das längst nicht mehr rückgängig zu machen war. Arthur saß noch immer hinter der Sporthalle, das alte Zippo-Feuerzeug in seiner Hand. Es war kalt, schwer und irgendwie lebendig, als hätte es eine Erinnerung, die sich in Metall eingeschlossen hatte.

Er wusste nicht genau, warum er es mitgenommen hatte. Vielleicht, weil sein Großvater nie viel sprach, aber immer dieses Feuerzeug bei sich trug. Vielleicht, weil Arthur zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass etwas in seinem Leben ihm wirklich gehörte — selbst wenn es nur für einen Tag war.

Als er den Deckel aufschnappen ließ, war das Geräusch scharf. Ein kleiner Funke sprang auf, kurz, golden, fast unscheinbar. Doch in diesem Moment veränderte sich etwas.

Nicht draußen. In ihm.

„Na sieh mal einer an…“, eine Stimme zerschnitt den Regen.

Trent Montgomery stand am Rand des Vordachs, begleitet von Brody und Chase. Ihre Jacken waren teuer, ihre Schuhe sauber, ihre Gesichter vertraut in ihrer Grausamkeit. Sie hatten ihn gefunden.

„Der Stumme spielt mit Feuer“, sagte Trent und trat näher. „Passt irgendwie. Alles, was du anfasst, geht kaputt, oder?“

Arthur schloss das Feuerzeug langsam. Diesmal senkte er nicht sofort den Blick.

Etwas war anders.

Vielleicht war es der Regen. Vielleicht der Funke. Vielleicht die Erinnerung an seinen Großvater, der einmal gesagt hatte: Manche Dinge brennen nicht, weil sie zerstören wollen. Sondern weil sie nicht anders können.

Trent griff plötzlich nach Arthurs Hand und riss ihm das Feuerzeug weg.

See also  Teil 3 – Der Mann, der zurückgelassen wurde

„Was ist das überhaupt? Ein Spielzeug? Hast du das aus dem Müll deiner Familie gefischt?“

Lachen.

Doch Arthur bewegte sich nicht zurück.

Zum ersten Mal.

„Gib es zurück“, sagte er leise.

Die Worte waren nicht laut. Aber sie waren da. Fest. Klar.

Die Stille danach war schwer.

Brody blinzelte. Chase hörte auf zu grinsen. Sogar der Regen schien einen Moment zu zögern.

Trent lachte kurz, unsicherer als zuvor. „Oder was?“

Arthur sah ihn an.

Und in diesem Blick war etwas, das niemand dort kannte.

Keine Angst.

Keine Bitte.

Nur Wahrheit.

„Du weißt nicht, was du da hältst“, sagte Arthur.

Trent wollte etwas erwidern — doch in diesem Moment erklang ein tiefes Grollen in der Ferne.

Motoren.

Viele.

Nicht einer. Nicht zwei.

Sondern ein ganzer Schwarm.

Der Boden vibrierte.

Brody drehte sich um. „Was zum—?“

Hinter der Sporthalle, am Ende der Straße, tauchten sie auf.

Erst einzelne Scheinwerfer.

Dann Dutzende.

Dann eine ganze Welle aus Chrom, Leder und Donner.

200 Motorräder rollten langsam in die Einfahrt der Schule.

Die Biker trugen keine Schuluniformen. Keine Logos von Reichtum. Nur Abzeichen, Stahl und Jahre, die man nicht zurücknehmen konnte.

Trent trat einen Schritt zurück. „Was ist das…?“

Arthur bewegte sich nicht.

Er sah nur nach vorne.

Ganz vorne hielt ein massiver Mann mit grauem Bart an. Er stieg ab, nahm seinen Helm ab und sah direkt zu Arthur.

„Junge“, sagte er mit rauer Stimme. „Wir haben deinen Großvater gefunden.“

Stille.

Dann fiel es wie ein Stein in Trent Montgomerys Welt.

Das Feuerzeug in seiner Hand fühlte sich plötzlich nicht mehr wie ein Spielzeug an.

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Sondern wie ein Schlüssel zu etwas, das er nie hätte berühren sollen.

Arthur trat langsam nach vorne und nahm es zurück.

Zum ersten Mal senkte nicht er den Blick.

Sondern alle anderen.

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