Part 2: Der Preis der Freiheit

Part 2: Der Preis der Freiheit

Der Motor des schwarzen Wagens lief ruhig, als wäre er die einzige Sache in dieser Nacht, die keine Entscheidung von mir verlangte.

Ich blieb auf den Marmorstufen des Drake Hotels stehen, während die Türen hinter mir sich schlossen und die Welt von Roman Castellano wieder verschluckten. Drinnen: Kronleuchter, Lügen, Applaus, der keiner war. Draußen: Oktoberluft, kalt genug, um jede Illusion aus meiner Haut zu reißen.

Dante Vale hielt mir nicht die Tür auf. Er wartete nur.

Das war der erste Unterschied zwischen ihm und Roman.

„Sie zittern nicht“, sagte er schließlich, als ich nicht sofort einstieg.

„Ich habe aufgehört, das zu tun, was Männer erwarten“, antwortete ich ruhig.

Ein kurzer Moment Stille. Dann öffnete er die hintere Tür des Wagens.

„Dann fahren wir besser, bevor er merkt, dass Sie wirklich gegangen sind.“

Ich stieg ein.

Das Leder roch neu, aber nicht sauber. Eher wie etwas, das zu oft Zeuge von Dingen geworden war, über die niemand spricht. Als der Wagen sich in Bewegung setzte, sah ich im Rückspiegel das Hotel kleiner werden, bis es nur noch ein Lichtpunkt war — wie ein Auge, das ich endlich nicht mehr ertragen musste.

„Sie wissen, dass Roman Sie suchen wird“, sagte Dante.

„Er hat mich nie gesucht“, sagte ich. „Er hat mich nur verwaltet.“

Dante ließ ein leises, fast humorloses Geräusch hören. Kein Lachen. Eher Zustimmung.

„Warum jetzt?“, fragte er dann.

Ich sah meine rechte Hand an. Dort, wo der Castellano-Ring gewesen war, war nur noch eine helle Linie auf der Haut.

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„Weil ich heute gesehen habe, dass ich ersetzt werden kann“, sagte ich. „Und wenn das stimmt, dann war ich nie seine Königin. Nur ein Platzhalter.“

Der Wagen fuhr unter einer Brücke hindurch. Das Licht flackerte über sein Gesicht, und für einen Moment wirkte er nicht wie ein Feind, sondern wie jemand, der zu viele Dinge überlebt hatte, um noch überrascht zu sein.

„Sie wissen, was er tun wird, wenn er versteht, dass Sie nicht zurückkommen“, sagte Dante leiser.

„Ja“, antwortete ich. „Und ich weiß auch, was Sie davon haben, mich mitzunehmen.“

Sein Blick traf meinen im Rückspiegel.

„Vielleicht ist es das erste Mal, dass ich etwas tue, das ich nicht sofort berechne.“

Ich hätte darüber lachen sollen. Ich tat es nicht.

Stattdessen lehnte ich meinen Kopf gegen die kalte Scheibe. Die Stadt glitt vorbei wie ein Gedanke, den ich nicht mehr festhalten musste.

„Wohin bringen Sie mich?“, fragte ich.

„An einen Ort, an dem Roman Castellano keinen Schlüssel hat.“

„Und Sie?“

Er schwieg einen Moment länger als nötig.

„Ich habe dort auch keinen.“

Das war das erste Mal an diesem Abend, dass ich wirklich ausatmete.

Hinter uns, irgendwo in der Dunkelheit Chicagos, würde ein Mann gerade feststellen, dass etwas, das ihm gehörte, nicht mehr an seinem Platz war.

Und zum ersten Mal in meinem Leben fühlte sich genau das nicht wie Gefahr an.

Sondern wie Anfang.

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