Teil 3 – Der Name unter den Perlen
Adrian ging nicht sofort zu ihr. Er sah erst mich an. Lange. Zu lange. Als würde er entscheiden, ob ich Teil eines Problems war, das er noch nicht benannt hatte. Dann wandte er sich wieder Maria zu.
„Du solltest nicht hier sein“, sagte er leise.
Maria öffnete die Handtasche endlich. Der Verschluss klickte, als hätte er auf diesen Moment gewartet. „Ich bin genau dort, wo du mich hingeschickt hast“, sagte sie ruhig. „Oder hast du das vergessen?“
Stille.
Ich spürte, wie sich Marco hinter mir bewegte, unsicher, ob er eingreifen oder verschwinden sollte. Die anderen Gäste waren längst keine Gäste mehr – sie waren Zeugen.
Maria zog etwas aus der Tasche.
Kein Schmuck.
Kein Geld.
Sondern eine kleine, abgegriffene Karte mit einem medizinischen Logo. Und darunter ein Name.
Nicht Maria.
Sondern: Dr. Elena Voss.
Adrian schloss kurz die Augen.
„Du hast mir versprochen, dass du damit aufgehört hast“, sagte er.
„Ich habe dir versprochen, dass ich verschwinde“, erwiderte sie. „Nicht, dass ich aufhöre zu existieren.“
Ich trat unbewusst einen Schritt zurück. „Entschuldigung… ich glaube, ich sollte—“
„Nein“, sagte Maria sofort, ohne mich anzusehen. „Sie sollte hören.“
Adrian sah mich jetzt wieder an. Diesmal anders. Nicht mehr prüfend. Eher… berechnend traurig. „Sie ist nicht nur Kellnerin“, sagte Maria ruhig. „Sie ist der Grund, warum ich überhaupt noch Menschen vertraue.“
Mein Herz schlug schneller.
„Was bedeutet das?“, fragte ich.
Maria stand langsam auf. Ihre Hände zitterten nicht mehr.
„Emma“, sagte sie, „du hast mir heute nicht nur Wasser gebracht.“
Sie hielt kurz inne.
Dann fügte sie hinzu:
„Du hast gerade die Frau bedient, die ein Medikament entwickelt hat, das dieses Imperium entweder retten kann… oder beweisen wird, dass es auf Blut gebaut ist.“
Ein Raunen ging durch den Raum.
Adrian machte einen Schritt näher.
„Und sie“, sagte er leise, „ist die Einzige, die entscheiden kann, welche Version davon wahr ist.“
Ich sah zwischen ihnen hin und her.
„Ich verstehe nicht“, flüsterte ich.
Maria lächelte schwach.
„Noch nicht“, sagte sie. „Aber du wirst es gleich.“
Draußen heulten plötzlich Sirenen auf.
Und jemand im Bellarosa zog das Licht leicht dunkler, als hätte selbst das Restaurant verstanden, dass dieser Abend gerade nicht mehr zurückgenommen werden konnte.
