TEIL 3 – DIE WAHRHEIT HINTER DEM ADLER

# TEIL 3 – DIE WAHRHEIT HINTER DEM ADLER

Marie löschte sofort das Licht im Behandlungsraum. Der Raum fiel in dunkle Schatten, nur das schwache Grün der medizinischen Geräte blieb sichtbar. Das Mädchen atmete flach weiter, ahnungslos über die Welt, die sich um sie zusammenzog. Riker zog Marie näher an sich. „Wenn sie hier sind, dann wissen sie, dass wir sie haben“, sagte er leise. „Und sie werden nicht klopfen.“

Die Fahrzeuge hielten nicht am Hof, sondern verteilten sich strategisch entlang der Straße. Türen öffneten sich lautlos. Männer bewegten sich ohne Worte. Professionell. Keine Biker. Keine Polizei. Etwas dazwischen – und gefährlicher. Marie flüsterte: „Das sind keine normalen Leute.“ Riker nickte nur. „Ich weiß.“

Er ging zurück zum Tisch und betrachtete das Symbol auf dem Hals des Kindes erneut. Der Adler mit den drei Linien war nicht nur ein Code. Es war ein Versprechen. Ein altes Programm, das offiziell nie existiert hatte – ein geheimes Schutzprojekt für Kinder hochrangiger politischer Figuren, die aus der Öffentlichkeit verschwinden sollten. Oder mussten.

„Senator Callahan“, sagte Marie plötzlich.

Riker sah sie an.

„Ich habe damals in Washington gearbeitet“, fuhr sie fort. „Es gab Gerüchte über eine Tochter. Ein Skandal, der vertuscht wurde. Missbrauchsvorwürfe. Dann verschwand das Kind aus allen Registern.“

Draußen knackte ein Zweig. Die ersten Schritte näherten sich der Veranda.

Riker hob die Augen nicht. „Dann haben wir es mit Leuten zu tun, die ganze Leben auslöschen können“, sagte er ruhig.

„Und warum sind wir dann noch am Leben?“ fragte Marie.

Riker sah das Kind an. „Weil sie es noch nicht beendet haben.“

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Ein dumpfer Schlag gegen die Haustür ließ die Fenster vibrieren. Kein Klingeln. Kein Warnen. Nur Kontrolle.

Riker bewegte sich langsam, stellte sich zwischen Tür und Raum. Marie nahm ein medizinisches Skalpell vom Tisch – keine Waffe, aber im Moment alles, was sie hatte. Das Mädchen atmete weiter, schwächer, aber stabil genug, um noch nicht verloren zu sein.

Der zweite Schlag kam härter.

Dann eine Stimme draußen. Ruhig. Kalt. „Wir wissen, dass sie da ist.“

Riker schloss kurz die Augen. Für einen Moment war er nicht im Wald von Montana, nicht in einem Farmhaus, nicht auf Bewährung. Er war wieder in einem anderen Leben, in dem Entscheidungen in Sekunden über Leben und Tod entschieden.

Er öffnete die Augen wieder.

„Dann entscheiden wir jetzt“, sagte er.

Marie sah ihn an. „Worüber?“

Riker blickte auf das Kind.

„Ob wir sie retten… oder sie ausliefern.“

Draußen begann die Tür sich langsam zu öffnen.

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