Teil 3 – Die Wahrheit im Fundament des Hauses
Am nächsten Morgen hatte das Haus eine andere Art von Geräusch.
Kein Chaos.
Nur Spannung, die sich in jede Wand gesetzt hatte.
Hannah saß wieder im Wohnzimmer, der Verband frisch, die Hände um eine Tasse Tee geschlossen. Sie sprach kaum, aber ihre Augen folgten jedem Schritt im Haus.
Mrs. Alvarez blieb bei ihr.
Dima stand an der Tür.
Und Roman war verschwunden.
Nicht offiziell.
Aber jeder wusste, dass er im Keller war.
Im Fundament.
Der Raum dort unten war kein Ort, den man besuchte. Es war ein Ort, den man betrat, wenn etwas bereits zu spät war.
Cassandra war ebenfalls verschwunden.
Das machte es schlimmer.
Hannah bemerkte es zuerst.
„Er ist nicht oben“, sagte sie leise.
Mrs. Alvarez nickte nur.
„Wo ist er dann?“, fragte Hannah.
Keine Antwort.
Dima seufzte. „Wenn du es nicht weißt, ist es besser so.“
Aber Hannah stand bereits auf.
„Ich will es wissen.“
Ein paar Minuten später, ohne Erlaubnis, ohne Führung, stand sie vor der Kellertür.
Dima hielt sie nicht auf.
Vielleicht, weil er wusste, dass sie ohnehin hingehen würde.
Oder weil er selbst sehen wollte, was passieren würde.
Die Treppe nach unten war schmal, kalt, aus Stein.
Je tiefer sie gingen, desto leiser wurde das Haus.
Und dann – Stimmen.
Roman.
Cassandra.
Und noch jemand.
Als sie unten ankamen, sah Hannah es zuerst nicht.
Sie hörte nur Romans Stimme.
„Du hast mir gesagt, er sei verschwunden.“
Cassandra antwortete ruhig: „Er ist verschwunden.“
„Lüge.“
Stille.
Dann ein Geräusch – Metall auf Metall.
Hannah trat einen Schritt vor.
Und erst dann sah sie es.
Einen alten Raum im Fundament.
Und darin eine Tür, die nicht in die Pläne des Hauses passte.
Roman stand davor.
In seiner Hand ein alter Schlüssel.
Dima erstarrte.
Mrs. Alvarez hatte sie heimlich gefolgt und hielt sich jetzt die Hand vor den Mund.
„Was ist das?“, flüsterte Hannah.
Roman drehte sich nicht um.
„Der Teil des Hauses, über den niemand spricht.“
Cassandra trat aus dem Schatten.
„Mach sie wieder zu“, sagte sie.
Roman sah sie an.
„Du wusstest davon.“
„Natürlich wusste ich davon.“
Ein Moment.
Dann drehte sich Roman langsam zu Hannah.
Zum ersten Mal wirkte er nicht wie der Mann, der alles kontrollierte.
Sondern wie jemand, der gerade verstanden hatte, dass die Kontrolle immer eine Illusion gewesen war.
„Dein Vater war hier“, sagte er leise.
Hannahs Atem stockte.
„Und wenn diese Tür aufgeht“, fügte Roman hinzu, „verstehen wir endlich, warum er wirklich verschwunden ist.“
Die Tür klickte.
Nicht offen.
Noch nicht.
Aber bereit.
Und in diesem Moment wusste niemand mehr, ob die Wahrheit sie retten würde.
Oder endgültig zerstören.
