Teil 3 – Die Wahrheit unter der Oberfläche

Teil 3 – Die Wahrheit unter der Oberfläche

Der nächste Ort war kein Büro mehr.

Es war ein Archivraum unter dem Gebäude, tief genug, dass kein Fenster mehr existierte und die Zeit dort unten anders verlief.

Roman ging voran.

Emma folgte ihm, weil es keinen anderen Weg mehr gab.

Lily war bei einer Sicherheitskraft geblieben – sicher, aber nicht außerhalb der Geschichte.

„Wenn das hier eine Falle ist“, sagte Emma leise, „dann sind wir gerade hineingelaufen.“

„Vielleicht“, antwortete Roman.

„Das beruhigt mich nicht.“

„Es soll Sie auch nicht beruhigen.“

Sie blieben vor einem Terminal stehen.

Auf dem Bildschirm: ein alter Fall.

CALEB PRICE – VERMISST

Emma las den Namen wieder und wieder.

„Das ist mein Vater.“

Roman tippte nichts.

„Und mein Bruder war der letzte, der ihn gesehen hat.“

Emma spürte, wie sich etwas in ihr löste und gleichzeitig zusammenzog.

„Warum steht das jetzt wieder offen?“

Roman beugte sich leicht vor.

„Weil jemand wollte, dass wir es finden.“

„Wer?“

Er sah sie an.

„Jemand, der weiß, dass beide Fälle zusammenhängen.“

Stille.

Dann ein leises Geräusch aus dem Lautsprecher.

Ein eingehender Zugriff.

Nicht intern.

Extern.

Der Bildschirm flackerte.

Neue Datei.

Ein Video.

Emma erstarrte.

Roman drückte „Play“.

Zuerst nur Dunkelheit.

Dann eine Stimme.

Verzerrt.

Aber eindeutig menschlich.

„Wenn ihr das seht, seid ihr zu spät.“

Emma hielt den Atem an.

Die Kamera bewegte sich.

Ein Lagerhaus.

Altes Licht.

Und dann – für einen Sekundenbruchteil – ein Mann.

Jung.

Ähnlich wie Roman.

Emma wusste sofort.

„Das ist Caleb…“, flüsterte sie.

Roman sagte nichts.

See also  Part 3 – Der Moment, in dem er verstand, dass er verloren hatte

Das Video endete abrupt.

Der Bildschirm wurde schwarz.

Stille.

Dann Roman, sehr leise:

„Er lebt.“

Emma drehte sich zu ihm.

„Oder jemand will, dass wir das glauben.“

Roman nickte langsam.

Zum ersten Mal wirkte er nicht wie ein Mann, der die Kontrolle hatte.

Sondern wie jemand, der gerade etwas gefunden hatte, das ihn jahrelang gesucht hatte.

„Ab jetzt“, sagte er ruhig, „ist niemand mehr sicher.“

Emma sah auf den Bildschirm.

Und verstand, dass die Wahrheit nicht nur vergangen war.

Sie war nie verschwunden.

Sie war nur gewartet.

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