Teil 3: Die blutige Säuberung und das Erwachen
Als Mara zwölf Stunden später die Augen aufschlug, war das grelle Weiß eines Krankenhauses nicht das Erste, was sie sah. Stattdessen blickte sie auf die seidenen Vorhänge und die warme, goldene Beleuchtung eines Zimmers, das sie nur allzu gut kannte. Es war das Gästeschlafzimmer in Dantes Safehouse. Die Luft roch nach Lavendel und schwach nach dem medizinischen Antiseptikum, das der private Arzt zurückgelassen hatte.
Sie spürte einen warmen, stetigen Druck an ihrer Hand. Dante saß auf einem Stuhl neben dem Bett. Er hatte sein Anzugjackett abgelegt, die Ärmel hochgekrempelt, aber er sah aus, als wäre er in einer Woche um Jahre gealtert.
„Dante“, krächzte sie. Ihr Instinkt war es, die Hand wegzuziehen.
„Nicht“, sagte er sanft und hielt sie fest. Seine Stimme war rau, voller unterdrückter Emotionen. „Bleib ruhig. Dem Baby geht es gut. Dr. Blake sagt, ihr beide werdet euch vollständig erholen.“
Mara starrte ihn an, Unglauben und alte Wut mischten sich in ihren Augen. „Warum bin ich hier? Du hast gesagt, ich bin ohne dich sicherer. Du hast mich verhungern lassen.“
Dante schloss die Augen, ein Ausdruck tiefster Qual glitt über sein Gesicht. Als er sie wieder öffnete, brannte darin eine kalte, klare Entschlossenheit.
„Ich habe dich nicht verhungern lassen, Mara. Ich habe erst gestern Nacht von deinem Zustand erfahren“, sagte er leise. „Die Scheidung… ich habe sie eingereicht, weil die Kozlovs gedroht haben, dich als Druckmittel gegen mich zu verwenden. Ich wollte dir ein neues Leben kaufen. Weit weg von meiner Dunkelheit. Ich habe zwei Millionen angewiesen. Ein Haus. Alles.“
Mara schüttelte schwach den Kopf. „Das Geld kam nie an. Die Wohnung wurde am Tag nach meinem Einzug vom Vermieter geräumt, weil angeblich keine Miete bezahlt wurde. Als ich dich anrief, nahm Victor immer ab. Er sagte, du seist beschäftigt und wolltest nichts mehr mit mir zu tun haben.“
Dantes Gesicht verhärtete sich. „Victor.“
Der Name fiel wie ein Todesurteil in die Stille des Raumes.
„Wo ist er?“, flüsterte Mara, der Schauer der Angst kehrte zurück.
„Victor arbeitet nicht mehr für mich“, antwortete Dante. Es war keine metaphorische Aussage. Victor hatte in dieser Nacht gestanden. Er hatte das Geld auf ein Offshore-Konto umgeleitet und die Papiere für das Haus gefälscht, in dem Glauben, Dante würde nie nach einer Frau suchen, die er selbst verstoßen hatte. Er hatte gehofft, Mara würde lautlos auf der Straße verenden und ihr gemeinsames Kind mit sich nehmen, um jeden zukünftigen Erben der Bellamy-Organisation zu verhindern. Dante hatte Victor die Wahrheit aus ihm herausgeprügelt, bevor er ihn an die Kozlovs übergab – als „Friedensangebot“, verpackt in eine Holzkiste.
„Ich wusste nicht, dass du schwanger bist“, sagte Dante, seine Stimme brach zum ersten Mal. Er rutschte vom Stuhl und ließ sich auf ein Knie vor ihr Bett sinken. Der König von Chicago, der Mann, der nie vor jemandem kniete, drückte seine Stirn gegen ihre zitternde Hand. „Wenn ich das gewusst hätte, Mara… wenn ich geahnt hätte, was sie dir antun… ich hätte diese Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt, bevor ich dich gehen ließ.“
Tränen stiegen Mara in die Augen. Die harte Schale, die sie sich in den letzten Monaten auf der Straße aufgebaut hatte, begann zu bröckeln.
„Dante, wir können nicht…“, begann sie, doch er unterbrach sie sanft.
„Ich habe mich geirrt“, sagte er und sah zu ihr auf. „Ich dachte, Sicherheit bedeutet Distanz. Ich dachte, ich schütze dich, indem ich dich aus meinem Schatten stoße. Aber die Welt da draußen ist grausamer als ich es je sein könnte. Die Kozlovs sind erledigt. Mein Imperium gehört mir. Und niemand, absolut niemand, wird sich jemals wieder zwischen mich und meine Familie stellen.“
Er legte eine große, warme Hand vorsichtig auf ihren leicht gerundeten Bauch. Mara spürte das vertraute, sanfte Flattern im Inneren. Dieses Mal fühlte es sich nicht nach Panik an. Es fühlte sich an wie ein Neuanfang.
„Ich werde dich nicht noch einmal bitten, mich zu heiraten, Mara“, sagte er ernst, „bis ich mir das Recht dazu zurückverdient habe. Aber du und das Baby… ihr geht nirgendwohin. Wir bleiben zusammen. Und jeder, der uns das nehmen will, muss zuerst an mir vorbei.“
Mara sah in die Augen des Mannes, der sie einst gebrochen und nun aus der tiefsten Dunkelheit zurückgeholt hatte. Sie nickte langsam, während der Regen draußen endlich nachließ. Das Imperium des Dantes Bellamy hatte einen Verrat erlebt, doch die Asche dieses Verrats bildete das Fundament für eine Festung, die nie wieder fallen würde.
