Teil 3: Keine gewöhnliche Nacht

Teil 3: Keine gewöhnliche Nacht

„Ich gehöre niemandem“, zischte Harley, obwohl ihr Herz wie wild gegen ihre Rippen schlug.

Ein Hauch von unerwartetem Respekt flackerte in Cassians Augen auf. „In meiner Welt gehört jeder irgendjemandem, Miss Bennett. Und für heute Nacht ist es Ihr allergrößtes Glück, dass Sie mir gehören. Denn nur das wird Sie am Leben halten.“

Bevor Harley noch ein weiteres Wort des Protests hervorbringen konnte, riss eine ohrenbetäubende Explosion die Stille der Straße in Stücke. Die massiven Glasscheiben an der Front des noblen Restaurants erzitterten bedrohlich, als eine heftige Druckwelle durch die Nacht fegte. Feueralarme begannen sofort schrill zu jaulen, und rotes Notlicht tauchte den verlassenen Speisesaal in ein gespenstisches, flackerndes Licht.

Cassian war sofort auf den Beinen. Er packte Harley am Arm – nicht grob, aber mit einer unerbittlichen, beschützenden Kraft – und zog sie aus der ledernen Sitzgruppe. „Wir gehen. Jetzt.“

Umgeben von seinen vier Männern, die nun allesamt ihre Waffen gezogen hatten, wurde Harley durch die Schwingtüren der Küche geführt. Die Hitze der Herde hing noch schwer in der Luft. Draußen, in der dunklen und regnerischen Gasse, wartete bereits ein gepanzerter, schwarzer SUV mit laufendem Motor. Die Männer drängten sie hinein, und Cassian glitt elegant neben sie auf den Rücksitz, bevor der schwere Wagen mit quietschenden Reifen in die Dunkelheit schoss.

Harley krallte ihre Finger in den Stoff ihres sündhaft teuren Kleides. Ihr Körper zitterte unkontrolliert, ein stilles Nachbeben des puren Schocks. Sie hatte sich auf ein schlechtes Date eingestellt, nicht darauf, mitten in einen Mafia-Krieg zu geraten.

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Plötzlich spürte sie etwas Schweres und Warmes auf ihren bloßen Schultern. Cassian hatte sein teures Sakko ausgezogen und es ihr schützend umgelegt. Es roch nach Zedernholz, teurem Cologne und Gefahr.

„Atmen Sie“, befahl er sanft. Es war das allererste Mal, dass seine Stimme nicht wie eine gezogene Waffe klang.

„Wo bringen Sie mich hin?“, fragte sie leise.

„An einen Ort, wo Jareds Fehler Sie niemals erreichen können.“ Cassian lehnte sich in die tiefen Ledersitze zurück und betrachtete sie im fahlen Licht der Straßenlaternen. „Er war ein Narr. Nicht nur, weil er mich bestohlen hat. Sondern weil er eine Frau wie Sie in einem Restaurant warten ließ.“

Harley sah auf, ihre Augen noch immer feucht, aber voller Stolz. „Spielen Sie nicht mit mir. Ich hatte heute Abend wirklich schon genug Lügen.“

„Ich lüge nie“, erwiderte Cassian todernst. Sein grauer Blick war nun völlig unergründlich, brannte aber mit einer seltsamen, ehrlichen Intensität. „Sie haben sich für einen Mann schick gemacht, der absolut blind für das war, was vor ihm saß. Er hat ein Juwel als billigen Schutzschild benutzt. Ich hingegen erkenne den wahren Wert von Dingen.“

Er streckte langsam die Hand aus und strich ihr sanft eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Berührung schickte einen warmen Schauer über ihre Haut.

„Ich werde Jared Tompkins finden“, sagte Cassian leise, „und er wird bitter dafür bezahlen, was er Ihnen heute Abend angetan hat. Aber Sie… Sie werden sich nie wieder wertlos fühlen. Keine leeren Tische mehr. Keine versteckten Tränen auf der Damentoilette.“

Harley schluckte schwer. Sie wusste, dass dieser Mann gefährlich war. Doch als er sie so ansah, spürte sie zum ersten Mal seit Monaten, dass sie wirklich gesehen wurde. Nicht als Requisite, nicht als naiver Witz, sondern als eine Frau, die es wert war, beschützt und begehrt zu werden.

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Der Wagen glitt langsam durch das schmiedeeiserne Tor eines gewaltigen, friedlichen Anwesens am See. Cassian sah ihr tief in die Augen, ein gefährliches, aber wunderschönes Versprechen auf den Lippen.

„Das Date war eine Katastrophe, Harley. Aber Ihr wahrer Abend fängt gerade erst an.“

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